Treme

Gestern ging es ja um The Wire, dessen Schöpfer ja neben Ed Burns vor allem David Simon war. Am Wochenende habe ich mir, dem großartigen Geschenkinstinkt von fzz sei Dank,  die erste Staffel von Simons neuer Serie, Treme, angesehen. Ich war schon länger interessiert an Treme, seit ich mich hin und wieder mit Jazz beschäftige. Und wenn man sich mit Jazz beschäftigt, kommt man eigentlich kaum an New Orleans vorbei.

Und genau darum geht es in Treme: Das kulturelle Leben in New Orleans nach dem verheerenden Hurricane Katrina. Die erste Staffel spielt etwa drei Monate nach der Katastrophe.

Zunächst einmal freue ich mich über ein Wiedersehen, mit zahlreichen liebgewonnenen Schauspielerinnen und Schauspielern aus The Wire. Sowohl Wendell Pierce a.k.a Bunk, als auch Clarke Peters a.k.a. Lester Freamon haben Hauptrollen spendiert bekommen. Aber in den Nebenrollen kommen noch mehr Darsteller aus The Wire unter. Sogar für “Hamsterdam“ findet sich ein Zitat. Auch das restliche Casting ist HBO-typisch sehr gelungen. Ein Steve Zahn und eine Kim Dickens zum Verlieben, die strengsten Blicke aller Zeiten von Khandi Alexander. Und: John Goodman spielt mit.

„Play for that money, boys, play for that motherfucking money!“

Treme ist lange nicht so komplex wie The Wire, konzentriert sich auf weniger Charaktere, behält aber die vergleichsweise langsame Erzählweise bei, ja wird sogar noch ein wenig langsamer. Schon in The Wire gab es kaum Cliffhanger, in Tremewerden sie beinahe aktiv vermieden. Die Fluch-Rate bleibt gleich. Ich finde es sehr angenehm, eine Serie zu verfolgen, in der die Kultur die eigentlich Hauptrolle spielt. Sei es die großartige, großartige Musik, die überall in den Alltag von New Orleans eingewoben ist, die „defective working morale“ oder das Essen. Doch so ganz konnte sich David Simon die Politik nicht verkneifen, so geht es am Rande auch um Gentrifikation oder das miserable Management der Federal Emergency Management Agency FEMA.

Ich hätte nicht gedacht, dass mich Treme in Anschluss an The Wire derartig packen würde. Ich kann nicht genau abschätzen, wie sehr das schlicht und ergreifend an der Musik liegt. Ich hoffe jedenfalls, dieses sympathische Portrait von New Orleans bleibt derartig entspannt, auch wenn einige Ereignisse bereits einige Schatten werfen, die auf größere Geschehnisse verweisen. Egal, wie es kommt, die zweite Staffel kommt jetzt erstmal schnell zu mir.

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